Provinzposse

Die Ortschaft Schnabelwaid hat etwas mehr als 1000 Einwohner und liegt ziemlich am Rand der Fränkischen Schweiz, zwischen Bayreuth und Pegnitz ungefähr. Ich kenne ein paar Leute aus diesem kaff die mit mir an der Schule waren, von der Ortschaft selbst habe ich meist nie mehr gesehen als die paar Häuser und die Ampel an denen man auf dem Weg von Pegnitz nach Bayreuth vorbeikommt. Schnabelwaid ist nicht wirklich so großartig.
Die letzte Woche war es aber offenbar Schauplatz eines kommunalpolitischen Schmierentheaters und einer der üblichen Schlammschlachten in diesem Milieu.
Ich habe dann gestern davon erfahren als ich heimgekommen bin: Am letzten Sonntag war Kommunalwahl in Schnabelwaid, nach dem Tod des alten Bürgermeisters im Herbst hatte vorerst der 2. Bürgermeister das Amt übernommen, dann wurde neu gewählt. Letzten Sonntag kam dann zuerst der SPD-Kandidat als Siger heraus, mit knappen 11 Stimmen Vorsprung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Stimmzettel ganze sieben mal durchgezählt worden. Offenbar hatte es eine Unstimmigkeit gegeben weil zwei Wahlzettel aneinandergeklebt waren. Man müsste denken daß ein siebenmaliges Durchzählen genügen würde.
Danach wurden die Wahlzettel versiegelt und nach Creußen gebracht, zu deren Verwaltungsbereich die Ortschaft zählt. Dort wurde nochmal ausgezählt, der CSU-Kandidat als Sieger bestimm (mit 7 Stimmen Vorsprung) und gleich mal offiziell gemacht.
Natürlich ist es doof wenn man zuerst erfährt man sei der Gewinner und dann doch erfährt das das Gegenteil der Fall war. Noch doofer ist es allerdings wenn man dann erfährt wie diese neue Auszählung zustande gekommen war: Offenbar war ein Gemeinderatsmitglied unzufrieden mit dem guten Abschneiden der SPD und ließ die Siegel auf den Unterlagen noch einmal öffen und neu auszählen. Denn es kann ja gar nicht sein daß die SPD gewinnt. Also alles noch mal aufgemacht, ausgezählt und siehe da: die CSU hat gewonnen.
Worauf allerdings nicht geachtet wurde waren die üblichen Vorschriften. Eigentlich müsste nämlich der Wahlleiter anwesend sein wenn die Wahlunterlage geöffnet werden, dieser war allerdings nicht greifbar, also wurde kurzerhand einfach so neu geöffnet. Ohne Kontrolle ob die Siegel in Ordnung seien, von Leuten die nicht dazu befugt waren. Wahrscheinlich wäre das auch überhaupt nicht aufgefallen (oder unter den Tisch gekehrt worden) wäre nicht genau der andere Kandidat dadurch Bürgermeister geworden.
So allerdings steht Schnabelwaid mit einem kleinen Wahlskandal da und die Leute dort bekleckern sich auch nicht gerade mit Ruhm wenn es um die Angelegenheit geht. Der Bürgermeister von Creußen meint zu dem Vorgang: "Passd scho!" und will eigentlich nichts auf das Ergebnis kommen lassen, in der Zeitung werden Stimmen laut die meinen daß da schon der richtige gewonnen hat, ein Leserbrief unseres Provinzblattes meint es sei überhaupt schon verdächtig daß bei der ersten Auszählung auch SPDler mitgemacht hätten und der Glossist des Kuriers fabuliert von kasachischen Wahlbeobachtern und Beistandsbekundungen aus Florida.
Das ganze wirft ein bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse in diesem Freistaat: Die CSU schwimmt oben, egal worum es geht. Und wenn auch mal ein anderer gewinnt.
27.1.07 22:21
 


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