Towing Jehovah

Mir ist beim heimkommen wieder ein Buch in die Hände gefallen welches hier schon seit langem lag, stand und auch etwas Staub ansammelte ohne daß ich Leuten viel davon erzählt hätte. Obwohl es durchaus lesenswert ist: Towing Jehovah von James Morrow.
Schon die ersten Seiten geben da einem Leser das große Geheimnis preis welches die Protagonisten das ganze Buch über, mehr oder minder, behüten. Ein Engel, Rafael um genau zu sein, erscheint einem abgehalfterten Öltankerkapitän und erzählt ihm ohne Umschweife was ihn bedrückt: Gott ist tot.
Und das ist erst der Anfang des Problems, denn nun schwimmt die Leiche des Schöpfers, drei komma zwei Kilometer lang, im Atlantik.
Der Himmel braucht Leute die ihn in sein Grab in der Arktis bringen. Ohne viel Aufhebens. Vor allem der Vatikan tut sich hier überaus hervor, sieht er doch, in mehr als einem Sinn, seine Pfründe davonschwimmen.
Und so wird Gott von einem umgebauten Öltanker abgeschleppt.
Um diese Prämisse baut Morrow seine Story auf, beschäftigt sich damit wie die Menschen die davon wissen damit umgehen; nicht nur damit, daß Gott tot ist, sondern auch, daß es Gott überhaupt gegeben hat. Dazwischen immer wieder ans surreale grenzende satirische Szenen: Ein Ausflug mit dem Jeep über den Körper Gottes, das Auftauchen einer versunkenen Insel, das versorgungstechnisch notwendige Beschaffen von Essen aus dem Fleisch des treibenden Leichnams (mit himmlischem Geschmack). Und dann der Angriff von Weltkriegsreenactern die mit ihrer Bomberstaffel von einem Atheistenkonglomerat angeheuert wurden um dieses Problem für ihre Glaubwürdigkeit absaufen zu lassen.
Morrow liest sich meist leicht, manchmal gerät der Erzählfluss dennoch etwas ermüdend, ähnlich wie einige der Protagonisten wartet man an gewissen Stellen einfach darauf daß etwas passiert was die Story voranbringt. Am Ende ist man nicht wirklich schlauer, das Buch moralisiert nicht, es gibt keine vom Autor vorgegebene Meinung, die Charaktere beschäftigen sich selbst noch lange nach Ende des Buches weiter mit ihrem Wissen. Es gibt kein einfaches Ende und es ist keine einfache Story die dem Leser hier präsentiert wird.
27.1.07 00:44
 


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