Romeo and Juliet

Wenn man die Geschichte von Romeo und Julia nüchtern betrachtet, ohne Shakespeares Sprache und sein Talent für Dramatik, und ohne das Gesülze von ewiger und unvergänglicher Liebe welches immer wieder auftaucht wenn man von diesem Stück spricht, dann ist es eigentlich verdammt traurig.
Ich meine nicht die Sache mit dem Selbstmord am Ende, daß er sich umbringt weil er denkt sie sei tot und sie sich umbringt weil er sich umgebracht hat.
Das ist wunderbar poetisch, eines der besten Motive die die Weltliteratur jemals gesehen hat.
Was den meisten Leuten aber nicht so wirklich auffällt wenn sie dieses Stück sehen oder auch nur lesen, ist was Romeo und Julia eigentlich sind (und als was Shakespeare sie eigentlich auch charakterisiert): Dumme, pubertäre Kinder.

Sie reden von den beiden Liebenden als wären diese Beispiele dafür wie Liebe sein sollte. Sie reden von ihnen als wären sie verliebte aber doch einigermaßen vernünftige Erwachsene die nur durch die Umstände zu diesem Ende getrieben werden.

Julia ist 13, kurz vor ihrem 14 Geburtstag. Romeo wird immer wieder auf ungefähr 15 geschätzt. Und wenn ich mich recht erinnere war diese Zeit in meinem Leben, und dem so einiger meiner Freunde, auch nicht unbedingt eine die von übermäßiger geistiger Stabilität geprägt war. Die Pubertät ist schrecklich. Von Erwachsen kann man da nicht wirklich reden. Julia und Romeo sind da beide auch recht typisch, schon vor dem Ende reden sie von Selbstmord.

Romeo wäre heute einer dieser Teenager der sich tagsüber einschließt und schläft um nachts dem Ideal einer großen unerfüllten Liebe nachzutrauern.
Nicht daß ich ihn nicht verstehen könnte...
Im Laufe des Stückes ist er für den Tod von vier Menschen verantwortlich, einen davon tötet er im Duell selbst, einer davon ist sein bester Freund der wegen ihm stirbt, eine seine große, einzige Liebe, und einer davon ist er selbst. Nicht schlecht für DAS Symbol der reinen unvergänglichen Liebe, oder?

Julia ist ein Kind, hat sich offenbar noch nie mit ihrer Sexualität, oder auch nur der Möglichkeit zu heiraten auseinandergesetzt. Man könnte sagen daß sie es auch nicht wollte, und wenn nicht ihre Eltern sie sowieso mit einem Edelmann verkuppeln hätten wollen, dann könnte man auch Romeo die Schuld dafür zuschieben daß er sie aus dieser Phase ihres Lebens katapultiert.
Sie war noch nie verliebt, war noch nie in einer Beziehung, sie ist anhänglich und will ihn bei sich behalten. Sie hat keinen Bezugspunkt für richtiges Verhalten als das Stück zu ende geht. Ihr Geliebter bringt sich um weil er denkt sie sei tot. Wahrscheinlich denkt sie daß ist was man normalerweise macht wenn der andere stirbt.

Die beiden kennen sich nicht mal einen Tag als sie sich ewige Treue schwören, nicht mal zwei Tage als sie heiraten. Nicht einmal eine Woche als sie sich beide umbringen weil ihre Eltern nicht so wollen wie sie.
Ich würde es mal so ausdrücken: die beiden haben etwas überreagiert.
Aber was will man erwarten bei solchen Familien? Tatsächlich kann man sogar froh sein daß die beiden noch einigermaßen gut rausgekommen sind aus ihrer Kindheit, bei den Eltern. Man sehe sich nur mal Julias Bruder an der die ganze Zeit handelt als hätte man ihn mit irgendwelchen Drogen vollgepumpt: Muss. Mantague. Töten. Muss. Montague. Töten. ist wohl das, was er ständig leise vor sich her brabbelt wenn er einmal nicht in einer Szene ist. Ein Amoklauf der nur darauf wartet zu passieren.
Gut, mit einem Namen wie Tybalt ist das auch nicht wirklich verwunderlich. Eigentlich muß man den Eltern die Schuld dafür geben.

Sorry, das Stück ist grad Prüfungslektüre für mich, deswegen beschäftige ich mich gerade wieder damit.
7.4.07 22:29
 


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